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Kinderkrippen & Kindergärten: Künftige Bundesregierung muss rasch neue Ausbauoffensive beschließen

Bernadette Pöcheim (Arbeiterkammer), LRin Ursula Lackner, Bgm. Kurt Wallner (Städtebund) © Land Stmk
Bernadette Pöcheim (Arbeiterkammer), LRin Ursula Lackner, Bgm. Kurt Wallner (Städtebund)
© Land Stmk

Der Ausbau der Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen in der Steiermark schreitet rasch voran. Nun droht er aber ins Stocken zu geraten, denn die vom Bund in Kooperation mit dem Land Steiermark initiierte Offensive läuft mit Ende des Jahres aus. „Die künftige Regierung muss hier rasch handeln, denn Länder und Gemeinden können den Bedarf nicht alleine decken", fordern Bildungslandesrätin Ursula Lackner, Städtebund-Landesvorsitzender Kurt Wallner und Arbeiterkammer Steiermark.

60 Millionen Euro stellten Bund und Land Steiermark  in den Jahren 2014 bis 2017 für den Ausbau des Angebots an Kinderkrippen- und Kindergärtenplätzen bereit. „Diese Unterstützung der Gemeinden zeigt Wirkung", betont Ursula Lackner, Landesrätin für Bildung und Gesellschaft: Rund steirische 33.300 Kinder besuchen Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen, 29.300 davon einen Kindergarten. Seit dem Kindergartenjahr 2013/14 ist die Zahl der Kinderkrippen im ganzen Land um 39 Prozent auf derzeit 229 Einrichtungen gewachsen, die von rund 4000 Kindern besucht werden. Insgesamt stehen landesweit in den Krippen mehr als 5000 Plätze zur Verfügung - und in den kommenden Monaten werden es noch mehr.

„Das Angebot in der Steiermark verbessert sich, doch es gibt noch Lücken", sagt Bernadette Pöcheim, Leiterin der Abteilung Frauen & Gleichstellung in der steirischen Arbeiterkammer und verweist auf den Kinderbetreuungsatlas, den die AK im Sommer präsentiert hat. Demnach bieten von den 287 steirischen Gemeinden 173 Gemeinden sehr gute bis gute Kinderbildungs- und Betreuungsangebote. In 86 Gemeinden (2016: 100) besteht jedoch nur die Möglichkeit, die Kinder in einem Halbtageskindergarten betreuen zu lassen. Seit der Gemeindestrukturreform gibt es übrigens keine Gemeinde mehr ohne Betreuung für Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Nachholbedarf besteht vor allem bei Einrichtungen für Kinder unter drei Jahren: 13,6 Prozent der Gemeinden bieten hier kein Angebot. Für Kinder von drei bis sechs Jahren haben in der Steiermark 363 Einrichtungen ganztags geöffnet - davon 196 in Graz und Umgebung.

Vereinbarung zwischen Bund und Ländern muss erneuert werden

„Kinderkrippen und -gärten sind Bildungseinrichtungen", betont Lackner, warum es so wichtig ist, die Lücken zu schließen. „Bildung erfolgt nicht nur in der Schule mit lesen, schreiben und rechnen lernen, ist nicht nur Unterricht - sondern setzt viel früher ein." Sprachentwicklung, soziale Kompetenz, motorische Fähigkeiten, aber auch das Aneignen und Anwenden von Wissen sind nur einige Beispiele für das, was Kinder schon in der Krippe anfangen zu lernen. Das sei den Gemeinden ebenso klar wie das Faktum, dass ein gutes Angebot an Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen eine große Rolle spielt für Familien, in einer Gemeinde zu bleiben bzw. sich dort niederzulassen.

Das sieht auch Kurt Wallner, Bürgermeister von Leoben und Landesvorsitzender des Städtebundes so. Allerdings übersteigt die Finanzierung von Kinderkrippen- und Kindergartenplätzten die Möglichkeiten der Gemeinden, und selbst mit der Unterstützung des Bundes und des Landes fällt es ihnen oft schwer. „Die Fortführung der Art.15a-Vereinbarung zur Finanzierung des institutionellen Kinderbetreuungsangebotes ist unbedingt notwendig", fordern Lackner, Wallner und Pöcheim.

Allerdings, so Wallner, sollte die Vereinbarung nicht nur eine Anschubfinanzierung umfassen, sondern eine langfristige Mitfinanzierung sein - sonst werden neue Gruppen nur anfangs gefördert und die Gemeinden müssen die Folgekosten zur Gänze alleine tragen. „Generell haben die Kinderbetreuungseinrichtungen immer mehr Aufgaben übernommen - man denke nur an die Sprachförderung. Hier sind Kinderbetreuungseinrichtungen ein wichtiger Teil bei der Integration - dies müsste aber auch bei der Gruppengröße berücksichtigt werden", so Wallner. Dazu kommt, dass die Kinderbetreuungszeiten bzw. Öffnungszeiten flexibler werden müssen, um den Bedürfnissen vieler Eltern (vor allem Alleinerziehenden) gerecht werden zu können.

Die Verlängerungen der 15a-Vereinbarungen sei also dringend notwendig - nicht nur jene, die den Ausbau betrifft, sondern auch jene zur Frühförderung und zur sprachlichen Förderung, die mit Ende 2018 auslaufen, so Lackner, Wallner und Pöcheim.

Kinderbildung und -betreuung muss weiter gestärkt werden

Aber auch abseits der Förderungen muss der Elementarbereich dringend gestärkt werden, fordert Lackner. „Es gibt einen österreichweiten BildungsRahmenPlan, am Bildungskompass wird gearbeitet - was fehlt, sind bundesweit einheitliche Qualitätsstandards, Betreuungsschlüssel und Gruppengrößen, die den besonderen Herausforderungen der heutigen Zeit gerecht werden. Und es ist notwendig, neue Ausbildungsformen für die KindergartenpädagogInnen zu schaffen und sie besser zu bezahlen. All das muss rasch geschehen, aber das geht nur mit dem Bund", führt Lackner die Forderungen an die künftige Regierung fort.

Dort, wo es möglich ist, setzt Lackner auf Landesebene schon weitere Schritte zur Stärkung des Kinderbildungs- und -betreuungsbereiches (KiBiBe). Mit dem neuen KiBiBe-Gesetz, das gerade ausgearbeitet wird, sollen gestaffelte Dienstfreistellungen für LeiterInnen größerer Einrichtungen verankert und eine Entbürokratisierung erreicht werden, „damit nicht Zeit, die eigentlich den Kindern gehört, für Administratives verwendet werden muss", so Lackner.

Auch geht es ihr darum, die KindergartenpädagogInnen vor den Vorhang zu holen, den Wert ihrer Arbeit hervorzuheben und ihre Leistungen sichtbarer zu machen. Die soeben gestartete Initiative „Seite an Seite bilden, Hand in Hand betreuen, Schritt für Schritt begleiten" umfasst Plakate in Kinderkrippen und -gärten, Folder für Eltern, Veranstaltungen für KindergartenpädagogInnen und
-betreuerInnen in allen Regionen mit Fachvorträgen, zum Ideenaustausch, zur stärkeren Vernetzung u. v. m. Außerdem wird eine webbasierte Plattform entwickelt, auf der sich KindergartenpädagogInnen über gut funktionierende Projekte austauschen können. „Das wird eine Art Ideenbörse mit Know-how-Weitergabe - es muss ja nicht jeder immer alles selbst erfinden, wenn es anderswo schon gut funktioniert", so Lackner.

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