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Silvesterraketen, Böller & Co: „Mit Respekt ins Neue Jahr!“

Vl. Dr. Gerhard Semmelrock, LR Anton Lang, Dr. Barbara Fiala Köck und Dr. Aurel Krauß © Land Steiermark
Vl. Dr. Gerhard Semmelrock, LR Anton Lang, Dr. Barbara Fiala Köck und Dr. Aurel Krauß
© Land Steiermark

Umwelt- und Tierschutzlandesrat Anton Lang appellierte heute bei einer Pressekonferenz in Graz an seine Mitmenschen, hohe Luft- und Lärmbelastung, Tierleid und Verletzungsgefahr durch Silvester-Feuerwerkskörper so gut es geht zu vermeiden, indem die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden bzw. auf eigene Feuerwerke weitgehend verzichtet wird. „Schenken Sie zum heurigen Jahreswechsel Respekt und nehmen sie daher in der Silvesternacht auf ihre Mitmenschen, auf unsere Tiere und auf unsere Umwelt Rücksicht", ersucht der Landesrat.

 

In den steirischen Städten und Ballungsräumen werden nach den Silvesterfeuerwerken alljährlich besonders stark erhöhte Schwebstaub- und Feinstaubkonzentrationen in der Luft gemessen. In den Jahresberichten der Luftgütemessung Steiermark findet man deshalb regelmäßig die Bemerkung, dass der 1. Jänner wieder einmal im überwiegenden Teil des steirischen Messnetzes als der durch Feinstaub höchstbelastete Tag des gesamten Jahres ausgewiesen wurde. Der Leiter der Abteilung 15 (Energie und Wohnbau) Hofrat Gerhard Semmelrock betonte deshalb: „Aus Gründen des Umweltschutzes sollte man auf Silvesterraketen möglichst verzichten. Feuerwerke bewirken nicht nur enorme Lärmimmissionen, sondern sie bescheren uns alljährlich auch Tage mit extrem hohen Luftschadstoffbelastungen. Diese können je nach Durchlüftungssituation über mehrere Tage andauern und erreichen leider das x-fache der tolerierten Grenzwerte."

In diesem Zusammenhang muss auch beachtet werden, dass der Feuerwerkslärm enorme Werte erreicht. Bei Großfeuerwerken kann man trotz der Entfernung zum Betrachter vereinzelte Schalldruckpegel von über 160 dB (Dezibel) messen. Wenn man die Frequenzabhängigkeit der menschlichen Lautstärkewahrnehmung mitberücksichtigt, liegt dieser Wert immer noch bei 115 db(A). Ab 120 dB(A) empfinden wir Menschen den Lärm (Knall) als unerträglich laut und dieser Wert gilt als Schmerzgrenze. Schon bei kurzzeitiger Einwirkung können Gehörschäden entstehen. Besonders sensibel können Tiere auf diese Lärmbelastung reagieren. Die Folgen von Feuerwerkslärm für die Tierwelt reichen von einer Erhöhung der Herzfrequenz über Ausweichbewegungen bis hin zu panischer Flucht. Hier sind je nach Art, individueller Erfahrung, Lebensphase, Lebensraum und Eigenschaften des Lärms bei verschiedenen Tiergruppen unterschiedliche Auswirkungen zu beobachten.

„Als Tierschutzombudsfrau ersuche ich aus der Sicht des Tierschutzes und zum Wohl unserer Haus- und Wildtiere auf eigene Feuerwerke und Knallkörper zu verzichten. Tiere haben keinen Zeitbegriff und leiden deshalb besonders, da sie diese knallenden, lauten Geräusche in keinen zeitlichen Zusammenhang bringen können. Sie zeigen ängstliches Verhalten, verkriechen sich oder geraten sogar in Panik. Behalten Sie bitte daher ihr Wohl im Auge und lassen Sie am Silvesterabend Tiere in lauter Umgebung nicht alleine. Auf diese Weise tragen Sie zu einem stressfreien Jahreswechsel für die Tierwelt bei", appellierte auch die steirische Tierschutzombudsfrau Barbara Fiala-Köck.

Die Silvesterknallerei ist auch für die Menschen nicht ungefährlich. In Österreich müssen jedes Jahr mehrere hundert Personen in Krankenhäusern behandelt werden, weil sie sich beim Hantieren mit pyrotechnischen Produkten verletzt haben - meist durch unsachgemäße Verwendung. Mehr als ein Drittel davon sind Kinder unter 14 Jahren. Durch das Zünden von Krachern in Menschenmengen oder durch am Boden explodierende Raketen kann man nicht nur sich selbst, sondern auch andere verletzen. Besonders gefährlich sind illegale Billigerzeugnisse aus dem Internet, deren Wirkungen verheerend sein können - von schweren Verbrennungen bis hin zu abgerissenen Extremitäten. „Das Hantieren und Abbrennen von Feuerwerkskörpern birgt eine hohe Verletzungsgefahr. Es handelt sich bei `Knallern und Raketen´ schließlich um Sprengstoff, von denen ein hohes Gefahrenpotential vor allem für Augen und Hände ausgeht. Die Folgen von Verletzungen sind teilweise in lebenslangen schweren Funktionseinschränkungen für die Betroffenen zu spüren", sprach der Oberarzt des UKH, Dr. Aurel Krauß, aus der Praxis.

Gemeinhin drastisch unterschätzt wird auch die von Feuerwerkskörpern ausgehende Brandgefahr. Nach Meinung des Bundeskriminalamtes werden 80 bis 90 % aller Silvesterbrände durch unsachgemäßen Einsatz von Raketen verursacht. Gezündete Feuerwerkskörper verglühen normalerweise in der Luft. Glühende Einzelteile können aber dennoch auf trockene Wiesen oder Waldbereiche bzw. auf (Holz-)Gebäude oder gelagerte Materialien fallen und so Brände auslösen. Abgebrannte Böller auf den Straßen, Gehsteigen und in Gärten sowie Reste von Feuerwerksraketen sind ab 1. Jänner weiträumig verstreut (auch in Wäldern). Die Entsorgungskosten sind dann von der Allgemeinheit zu tragen. Darunter befinden sich auch nicht explodierte „Blindgänger", die eine latente Gefahr darstellen, da sie noch Schwarzpulver-Sätze beinhalten. Für das Straßenreinigungspersonal, für Wild- sowie Haustiere und für spielende Kinder stellen sogenannte „Blindgänger" eine Gefahr da.

 

„Als Landesrat sowohl für Umwelt als auch für Tierschutz ist es mir daher ein großes Anliegen, an unsere Mitmenschen zu appellieren, hohe Luft- und Lärmbelastung, Tierleid und Verletzungsgefahr durch Feuerwerkskörper zu vermeiden, indem die diesbezüglichen gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden und auf eigene Feuerwerke in der Silvesternacht verzichtet wird", fand der zuständige Landesrat Anton Lang schlussendlich klare Worte.

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