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Steirische Almwirtschaft in großer Sorge!

Presseinformation vom 02.07.2019

Klimawandel, Prädatoren und umfassende Bewirtschaftsungsauflagen für Hüttenbetreiber drücken den Bauern die Sorgenfalten heraus. Anlässlich des großen steirischen Almtages rief Agrarlandesrat Seitinger zu einem großen gemeinsamen Schulterschluss zur Aufrechterhaltung der Almen auf.

LR Johann Seitinger ruft zu großem gemeinsamen Schulterschluss zur Aufrechterhaltung der Almen auf. © Lebensressort / honorarfrei
LR Johann Seitinger ruft zu großem gemeinsamen Schulterschluss zur Aufrechterhaltung der Almen auf.
© Lebensressort / honorarfrei

Die Steiermark ist mit rund 40.000 Hektar Almfläche das größte zusammenhängende Almgebiet Österreichs. Die knapp 2.000 steirischen Almen sind nicht nur ein wertvoller Natur-, Erholungs- und Kulturraum, sondern vor allem auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Landwirtschaft und vor allem für den Tourismus.

Klimawandel: Es wird wärmer in unseren Bergen

Der Klimawandel sowie seine dramatischen Auswirkungen machen auch vor der heimischen Berg- und Almlandschaft nicht halt. Ganz im Gegenteil: Ein Ansteigen der Temperaturen in Folge des Klimawandels um nur einen Grad Celsius würde bedeuten, dass die Waldgrenze um 180 Meter nach oben wandert und damit große Almflächen einnimmt. Hält dieser klimatische Druck an, so ist davon auszugehen, dass große Almgebiete nicht nur massiv an Trockenheit leiden, sondern auch Wasserquellen versiegen und damit auch große Weideflächen verloren gehen werden.

Wolf: Der Leidensdruck wird immer größer

Rund 100 Wolfsrudel leben zurzeit im gesamten Alpenraum und geschätzte 30.000 Wölfe in ganz Europa. Ein Vergleich lässt die Dimension erkennen: Rund 10.000 Wölfe gibt es gegenwärtig in den Vereinigten Staaten von Amerika bei doppelter Landesfläche. Das Potential, dass sich Wölfe auch in der Steiermark rasant vermehren, ist bei einer Reproduktionsrate zwischen 30 und 47 Prozent gegeben. Mehr als hundert durch Wölfe gerissene Nutztiere nur in den letzten drei Jahren, sorgten bei den steirischen Almbauern für massive Verunsicherung und einen enormen Sachschaden. Auch im Hinblick auf den Tierschutz sind Wolfsangriffe das wohl schlimmste Übel überhaupt. Als Konsequenz daraus haben bereits zahlreiche Almbauern angekündigt, ihre wertvollen Zuchttiere keinesfalls mehr auf Almen aufzutreiben, da sie die Tiere dem Risiko einer Wolfsjagd nicht mehr aussetzen wollen. Die Herausforderung in der Almwirtschaft besteht darin, die Bejagung von Wölfen zur Bestandsregulierung zu ermöglichen sowie eine Beweislastumkehr bei vermuteten Wolfsrissen sicherzustellen. Ein Einzäunen von Hochalmen und hochalpinen Gebirgszügen sowie ein Behirten mit Hirtehunden ist weder technisch möglich noch finanziell leistbar.

Regulierungswahn gefährdet Almhüttenbewirtschaftung

Die heimischen Almen verfügen über einen hohen kulturellen Wert in unserer Gesellschaft, wenn es um die Lebensqualität und die Gesundheit geht. Auch die steirische Kulinarik ist eng mit der Almwirtschaft verbunden, so möchte kein Wanderer auf Almkäse, Buttermilch, Bauernbutter oder vielerlei mehr Spezialitäten verzichten. Jedoch ist ein besorgniserregender Trend zu mehr Auflagen in den verschiedensten Bereichen von der technischen Betriebsausstattung bis hin zu erforderlichen kurzzeitigen Kontrolluntersuchungen zu erkennen. Die jahrhundertealte Tradition der Bewirtschaftung von Almen, die heute noch von Natursuchenden, Bergfreunden und Wanderern so genossen wird, kommt damit unter enormen Druck. Sollte es hier keinen Umkehrschub geben, so würden diese Köstlichkeiten aus der kulinarischen Schatzkammer Steiermarks früher oder später verschwinden.

Seitinger: Problemfelder ansprechen und in die Umsetzung bringen

„Wenn wir die Almwirtschaft nachhaltig retten wollen, müssen wir die Sorgen der Almbauern ernst nehmen und umgehend pragmatische Lösungen finden und in die Tat umsetzen. Für trostreiche Worte ist es zu spät", so Agrarlandesrat Johann Seitinger vehement.

Auch Anton Hafellner, Obmann des Steirischen Almwirtschaftsvereins fordert umfassende Lösungen für die Almbewirtschaftung ein, damit dieser große kultur- und artenreiche Lebensraum weiterhin erhalten bleiben kann. Wenn Almen nicht mehr bewirtschaftet werden, ist unser Landschaftsbild innerhalb weniger Jahre nicht mehr erkennbar und der hohe touristische Wert auch nicht mehr gegeben.

Agrarlandesrat Seitinger bekräftigt abschließend, dass „die Almwirtschaft nicht nur ein unverzichtbarer Lebensraum für die Gesunderhaltung unserer Tierbestände, sondern auch ein zunehmend wichtiger Tourismus- und Erholungsfaktor in der Steiermark geworden ist. Darüber hinaus stellen unbewirtschaftete Almen auch einen Hochrisikofaktor im Bereich der Schneelawinen dar, der in der Folge mit sündteuren technischen Schutzeinrichtungen gesichert werden müsste". Auf das Almurteil eingehend dankte Agrarlandesrat Seitinger der Bundesregierung für die rasche Umsetzung und Beschlussfassung der notwendigen Gesetzesänderungen und Verhaltensregeln für Wanderer. Auch der Tourismus hat sich in Bezug auf dementsprechende Versicherungserweiterungen positiv eingebracht.

 


 


Michael Riegelnegg, MA, Pressesprecher, Büro Landesrat Ök.-Rat Johann Seitinger, Tel. 0316-877 2638
Mobil: 0676/86662638, Mail: michael.riegelnegg@stmk.gv.at, Externe Verknüpfung http://www.lebensressort.steiermark.at/

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