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Aktion „Weiße Kreuze“ soll MotorradfahrerInnen sensibilisieren

Maria Knauer-Lukas, Wolfgang Staudacher, Peter Felber und Anton Lang (v.l.). © Land Steiermark/Streibl
Maria Knauer-Lukas, Wolfgang Staudacher, Peter Felber und Anton Lang (v.l.).
© Land Steiermark/Streibl

Während die Anzahl der Getöteten im Straßenverkehr allgemein stets rückläufig ist, bleibt die Anzahl der verunfallten MotorradfahrerInnen trotz verschiedener Verkehrssicherheitsmaßnahmen (Leitschienenvorhänge, Kurvenmarkierungen, ProBike-Fahrsicherheitstrainings) relativ konstant bzw. ist in den letzten Jahren sogar gestiegen. Deshalb ist auch im Verkehrssicherheitsprogramm 2020 - 2025 die Zielgruppe der MotorradfahrerInnen ein Schwerpunkt in der Verkehrssicherheitsarbeit.

„Maßnahmen wie zum Beispiel der sichtbare Unterfahrschutz (Leitschienenvorhänge) oder auch die Kurven-Markierungen auf typischen Motorradstrecken sowie die Förderung der Fahrsicherheitstrainings mittels Gutschein - bekannt durch den Namen ProBike - verfolgen alle dasselbe Ziel, nämlich eine Reduzierung der Motorradunfälle", betont der steirische Landesverkehrsreferent LH-Stv. Anton Lang.

Im gesamten Landesgebiet wurden an Unfallstellen entlang der Landesstraßen (L&B) insgesamt 245 weiße Kreuze aufgestellt. 67 MotorradfahrerInnen verunglückten im Ortsgebiet, wo aufgrund der örtlichen Gegebenheiten ein Aufstellen der Kreuze nicht möglich ist. „Durch die weißen Kreuze auf den Landesstraßen (L&B) wollen wir jene Unfallstellen der letzten 20 Jahre sichtbar machen, wo MotorradfahrerInnen tödlich verunglückten", so Lang.   

Unfallstatistik

Motorradunfälle machen in den letzten Jahren rund 11 % aller Unfälle im Land Steiermark aus. Knapp ein Viertel der getöteten StraßenverkehrsteilnehmerInnen in den letzten Jahren sind MotorradfahrerInnen, obwohl die Motorrad-Fahrleistung nur rund 2 % der gesamten Fahrleistung beträgt. Während die Anzahl der Getöteten im Straßenverkehr allgemein seit 20 Jahren ständig weniger wird, bleibt die Anzahl der getöteten MotorradfahrerInnen relativ konstant und ist sogar in den letzten 3 Jahren gestiegen. Besonders hoch ist leider auch die Anzahl der Schwerverletzten, was nicht nur für die Betroffenen und deren Angehörigen ein großes Leid mit sich bringt, sondern auch volkswirtschaftlich mit hohen Kosten betrachtet werden muss.  Seit dem Jahr 2000 verunglückten 10.713 MotorradfahrerInnen bei 10.145 Unfällen. Mehr als ein Drittel (3871) wurden schwerverletzt und 310 Personen sind tödlich verunglückt. 

Art der Unfälle:

  • rund 44 % der tödlichen Motorradunfälle sind Alleinunfälle
  • bei Kollisionen ist der PKW der Hauptunfallsgegner

Unfallursachen:

Vermutliche Hauptunfallursache ist bei 51 % der tödlichen Motorradunfälle in den letzten sieben Jahren (2012 - 2019) die nichtangepasste Geschwindigkeit. An zweiter Stelle sind es Vorrangverletzungen oder Rotlichtmissachtungen.
Ca. die Hälfte aller Motorradunfälle ereignete sich auf Landesstraßen (L&B). (2019 -> 54,3%)
Der Anteil der tödlichen Unfälle auf Landesstraßen (L&B) ist größer. Betrachtet man die tödlichen Motorradunfälle im Jahr 2019, so ereigneten sich 73,4 % auf Landesstraßen (L&B).

Zeit der Unfälle - Mehr als die Hälfte aller Motorradunfälle passieren in den Sommermonaten Juni, Juli, August am Wochenende. Tageszeiten sind zu einem hohen Anteil zwischen 15.00 und 17.00 Uhr, was darauf schließen lässt, dass die Konzentration beim Fahren nachlässt und so auch zur Entstehung eines Unfalls beiträgt.

Bewusstseinsbildung

„Die Aktion `Weiße Kreuze´ demonstriert in einer dramatischen Art und Weise, dass Motorradunfälle tödlich ausgehen können. Es ist kein fiktives Kreuz, es steht genau an Stellen, wo MotorradfahrerInnen tödlich verunfallt sind. Bei bewusstseinsbildenden Maßnahmen müssen wir immer konkret überlegen, mit welchen Botschaften wollen wir die Zielgruppe erreichen. In diesem Fall ist die Botschaft eindeutig: Wenn das erhöhte Risiko, das Motorradfahren mit sich bringt, beiseitegeschoben wird und Achtsamkeit und das Erkennen einer Gefahr nicht existent ist, kann der Ausgang eines Unfalles tödlich sein", findet Lang klare Worte. Und: „Was uns aber auch beschäftigt, ist die Sorge, dass durch die erlebten Einschränkungen in der Covid-Krise, die pure Freiheit gerade auf  zwei Rädern sehr und zu viel ausgelebt wird, weil auf dem Motorrad bin ich sozusagen Herr der Lage. Wir wollen auf dieses psychologische Phänomen reagieren und rechtzeitig Maßnahmen setzen, eine davon ist die heute vorgestellte Aktion`Weiße Kreuze´".

Die COVID-19-Krise, welche mit Einschränkungen und drastischen Veränderungen in den Arbeits- und Lebensgewohnheiten geprägt war und ist, brachte zum Teil einen enormen Entzug der persönlichen Freiheit mit sich. Sich nicht mehr dorthin bewegen können, wo man will und das Gefühl zu haben, nicht mehr selbstbestimmen zu können, kann zur inneren Rebellion führen. Das führt zum Effekt, dass ich dort, wo ich die Macht habe, das auslebe, was ich unbewusst vermisse. Es ist das Gefühl der Freiheit und Selbstbestimmung.

Maßnahmen zur Reduzierung von Motorradunfällen im Land Steiermark

  • ProBike - Fahrsicherheitstrainings

Seit 2013 wird in der Steiermark im Frühjahr und Sommer die Motorradaktion „ProBike" durchgeführt. Das Land Steiermark fördert mittels Gutschein die Absolvierung eines Fahrsicherheitstrainings in den steirischen Fahrsicherheitszentren. Die Aktion wird regelmäßig evaluiert und zeigt, dass besonders die Gruppe der Wiedereinsteiger in den Motorradsport schwer zu erreichen ist.

Aber: Wer einmal ein Training absolviert hat, macht immer wieder ein Training, weil er die Übung als sinnvolle Vorbereitung für die neue Saison erkennt. Grundsätzlich schätzen laut der Evaluierungen der ProBike-Aktionen die MotorradfahrerInnen ihr eigenes Fahrkönnen als gut ein.

„Ein Fahrsicherheitstraining fördert die Achtsamkeit auf riskante und schwierige Situationen auf der Straße. Da die Hälfte der tödlichen Motorradunfälle Alleinunfälle sind, können wir davon ausgehen, dass riskantes Verhalten und Selbstüberschätzung im Fahrkönnen dabei eine Rolle spielen. Von 2013 bis 2019 absolvierten 8000 MotorradfahrerInnen ein vom Land Steiermark gefördertes Fahrsicherheitstraining. Die Teilnehmerzahl ist jedes Jahr gleichbleibend", so der Landesverkehrsreferent.

  • Unterfahrschutz auf Hauptmotorradstrecken:

Schwere, oftmals leider auch tödliche Unfälle passieren deshalb, weil MotorradfahrerInnen unter den Leitschienen durchschlittern und dabei gegen die Steher prallen und so die Tragödien verursacht werden. In den letzten Jahren wurden auf allen klassischen Motorradstrecken in der Steiermark die Außenkurven, wo vor allem Alleinunfälle passiert sind, mit „Leitschienenvorhängen" bzw. Unterfahrschutz ausgestattet. Insgesamt wurden in der Steiermark 7,3 km mit dem möglichen „Lebensretter" ausgestattet.

Motorradstrecken mit Unterfahrschutz

  • B 20 Mariazeller Straße
  • B21 Gutensteiner Straße
  • B 24 Hochschwabstraße
  • B69 Südsteirische Grenzstraße
  • B72 Weizer Straße
  • B77 Gaberlstraße
  • B95 Turracher Straße
  • B97 Murauer Straße
  • B115 Eisenstraße
  • B 317 Friesacher Straße
  • L 628 Prosdorfer Straße
  • L 714 Salzastraße

Eine Vorher-Nachher-Untersuchung zeigt, dass sich die Alleinunfälle grundsätzlich um knapp ein Viertel reduzierten und es ein Drittel weniger schwerverletzte MotorradfahrerInnen waren. Nach der Anbringung des Unterfahrschutzes gab es an diesen Stellen keine tödlich verunglückten MotorradfahrerInnen. Die Hauptmotorradrouten sind weitgehend mit Unterfahrschutz ausgestattet Aufgrund der Unfallauswertungen werden bei Bedarf weitere Streckenabschnitte nachgerüstet.

  • Kurvenmarkierungen:

Eine weitere Sensibilisierungsmaßnahme sind Kurvenmarkierungen an bestimmten Straßenstellen. Durch die Markierungen soll gefährliches Kurvenfahrverhalten von MotorradfahrerInnen korrigiert werden, in dem sie, wenn sie entlang der Markierung fahren, von der Mittellinie ferngehalten werden. Das bekannte und oftmals als Unfallursache identifizierte „Kurvenschneiden" soll so hintangehalten werden.

An fünf klassischen „Bikerstrecken" in der Steiermark wurden Markierungen angebracht:

  • B 20 Mariazeller Straße
  • B 24 Hochschwabstraße
  • B 69 Südsteirische Grenzstraße,
  • B 72 Weizer Straße
  • B 77 Gaberlstraße.

Es ist angedacht, weitere Markierungen auf der

  • B 54 Wechselstraße
  • B 95 Turracher Straß
  • L 123 Stollinggrabenstraße

anzubringen.

Die Ergebnisse der Evaluierung bestätigen, dass die ellipsen- und balkenförmigen Bodenmarkierungen ihren Zweck erfüllen und einen positiven Einfluss auf die Fahrlinienwahl haben.  

Weitere Statements:

Hofrätin Dr. Maria Knauer-Lukas (Landesverkehrsabteilung)

„Die Aktion `Weiße Kreuze´ ist keine Sensibilisierungsmaßnahme im Sinne von `was könnte passieren´, sondern `was ist passiert´. Wir wollen ganz bewusst vor Augen führen, dass, wenn die Achtsamkeit und das Erkennen einer Gefahr nicht existent sind, der Ausgang eines Unfalles tödlich sein kann."

Oberst Wolfgang Staudacher (Leiter der Verkehrsabteilung der Landespolizeidirektion)

„Eine gute Motorradsaison beginnt mit einer verantwortungsbewussten Vorbereitung. Technische Kontrolle des Bikes und ein Warm-Up für den Biker gehören dazu. Bei den Fahrten gilt es dann die gesetzlichen und die persönlichen Limits zu respektieren. Dort, wo das nicht passiert, setzen wir als Polizei mit Bewusstseinsbildung und verkehrspolizeilicher Überwachung an."

Dipl.-Ing. Peter Felber (Kuratorium für Verkehrssicherheit)

„Im Jahr 2019 waren in der Steiermark 22 % aller Getöteten, Motorradfahrer. Ein Großteil dieser Unfälle ereignete sich am Wochenende. Vermutliche Hauptunfallursache ist nichtangepasste Geschwindigkeit.
Die richtige Einschätzung der Situation und richtiges Fahrverhalten retten Leben."

17. Juni 2020

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