Die steiermärkische Landesregierung
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Projekt "Wildtierschutz und Verkehrssicherheit Steiermark 2020"

V. l. Wolfgang Steiner (BOKU Wien), LH-Stv. Anton Lang, Tierschutzombudsfrau Barbara Fiala-Köck, Franz Zenz (STED-Chef) und Franz Mayr-Melnhof-Saurau (Landesjägermeister).  © Land Steiermark
V. l. Wolfgang Steiner (BOKU Wien), LH-Stv. Anton Lang, Tierschutzombudsfrau Barbara Fiala-Köck, Franz Zenz (STED-Chef) und Franz Mayr-Melnhof-Saurau (Landesjägermeister).
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Laut Jagdstatistik sterben jährlich fast 100.000 Wildtiere durch Wildunfälle auf Österreichs Straßen. Neben vielen anderen Wildarten werden dabei auf steirischen Landes- und Gemeindestraßen jährlich mehr als 7.000 Unfälle mit Rehen verzeichnet. Vor allem bei Unfällen mit größeren Wildtieren kommt es dabei häufig zu schweren Sach- und Personenschäden, dem Verlust von oftmals geschützten Wildarten und unnötigem Tierleid. Laut Information mehrerer österreichischer Versicherungsträger ist ein durchschnittlicher PKW-Schaden bei einem Wildunfall mit ca. 1.600 Euro zu bemessen. Nur für Unfälle mit Rehwild ergibt sich so für Österreich bereits eine Schadenssumme von etwa 60 Millionen Euro. Der jährliche volkswirtschaftliche Schaden durch Wildunfälle wird auf über 160 Millionen Euro geschätzt. Hauptgründe für steigende Wildunfallzahlen sind die Einengung und Zerstückelung von Wildlebensräumen durch menschliche Nutzung, der Neu- und Ausbau von Verkehrswegen, die Zunahme des Straßenverkehrs und hohe Fahrgeschwindigkeiten.

Um die Zahl der Wildunfälle nachhaltig zu reduzieren, wurde 2014 ein Kooperationsprojekt zwischen dem Land Steiermark, der Steirischen Landesjägerschaft und der Universität für Bodenkultur Wien ins Leben gerufen. Neben dem Ziel die Wildverluste in der Steiermark maßgeblich zu verringern gilt es Erfahrungswerte der Unfallprävention in der Praxis zu sammeln und durch wissenschaftliche Analysen auszuwerten. Die Organisation des gesamten Forschungsprojektes und die wissenschaftlichen Untersuchungen werden durch die Universität für Bodenkultur Wien mittels Finanzierung durch die Abteilungen 13 (Tierschutz) und 16 (Verkehrssicherheit) sowie der Steirischen Landesjägerschaft durchgeführt.

Die Finanzierung von Maßnahmen wie z. B. Wildwarnreflektoren, die Wildtiere durch Signale vor einem sich nähernden Fahrzeug warnen, wird zu 2/3 vom Straßen-erhaltungsdienst (STED), zu 1/6 von der Steirischen Landesjägerschaft und zu 1/6 vom jeweiligen Jagdrevier getragen. Dabei werden auch lokale Kooperationen zwischen Jägerschaft und unterschiedlichen Partnern bzw. Sponsoren im Sinne der gemeinsamen Lösung einer Thematik gesucht. Die Montage der technischen Maßnahmen sowie deren Betreuung und Wartung auf Landesstraßen wird gemeinsam von den Revieren und der jeweils zuständigen Straßenmeisterei durchgeführt. Seit Projektstart wurden in bisher 6 Ausrüstungsphasen über 200 steirische Jagdreviere bearbeitet und über 37.500 moderne Wildwarnreflektoren sowie andere Präventionsmaßnahmen angekauft und an die Jagden bzw. Straßenmeistereien verteilt. Mit diesen Maßnahmen werden derzeit etwa 565km Landes- und 22km Gemeindestraßen abgesichert.

Zum Einsatz kommen neben neuesten optischen und akustischen Wildwarnreflektoren auch Duftstoffe und ökologische Begleitmaßnahmen. Dabei wurde gezeigt, dass durch die Umsetzung dieser Optimierungsmaßnahmen viele Unsicherheitsfaktoren im Umgang mit Wildwarnreflektoren ausgeräumt werden konnten. Obwohl die bisherigen Teststrecken erst vergleichsweise kurz bestehen, sind die positiven Trends in der Zusammenarbeit von lokalen Jägern und Straßendienst bereits erkennbar und erste Erfolge in der Wildunfallvermeidung sichtbar. Seit den ersten Gerätemontagen wurden auf ausgerüsteten Strecken durchschnittliche Rückgänge der Unfälle mit Rehwild von 30% bis zu 70% (je nach eingesetzter Maßnahme) im Vergleich zu den Vorjahren verzeichnet.

Zukünftig werden jährlich weitere steirische Reviere in das Projekt aufgenommen, um sukzessive die Wildunfall hot-spots auf steirischen Straßen entschärfen zu können. Neben der organisatorischen Abwicklung und der wissenschaftlich fundierten Beratung der Reviere und des STED unterliegt jede gesetzte Maßnahme genauesten Kontrollen. In enger Kooperation mit der Industrie wurden auf Basis wissenschaftlicher Grundlagendaten bereits deutliche Verbesserungen in der Leistung und Praxistauglichkeit bestehender Wildwarngeräte erreicht sowie vielversprechende Neuentwicklungen für die Zielvorgaben „aktiver Wildtierschutz" und „Erhöhung der Verkehrssicherheit" initiiert. Nur der kontrollierte und überwachte Einsatz technischer Maßnahmen kann zu umfangreichen praxisorientierten Erkenntnissen zu Montage, laufendem Betrieb, Vorzügen und Nachteilen der eingesetzten Geräte und Aufstellungsvarianten führen. Durch genaueste räumliche und zeitliche Aufzeichnung jedes Wildunfalls der steirischen Jägerinnen und Jäger wird eine bisher unerreichte Fülle und Detailgenauigkeit an Wildunfall-Informationen erreicht.

Die gute Kooperation des STED mit den steirischen Jägern, die maßgebliche Unterstützung durch Politik, Verwaltung, Tier- und Naturschutz, Wirtschaft und vielen anderen Interessensgruppen sichern dem Projekt in den Testgebieten eine hohe Datenqualität und wertvolle Informationen. Eine enge Verbindung mit weiteren nationalen und internationalen Forschungsprojekten ermöglicht den Wissensaustausch über die Landesgrenzen hinaus. Ziel des Projektes sind praxistaugliche Lösungen zur nachhaltigen Reduktion der Wildunfallzahlen und damit einhergehend eine Erhöhung der Verkehrssicherheit für Tier und Mensch.

Statements

LH-Stv. Anton Lang, Verkehrs- und Tierschutzreferent:

„Heuer freut es mich ganz besonders unser Gemeinschaftsprojekt - mit der STED und der Landesjägerschaft - „Wildtierschutz und Verkehrssicherheit" zu präsentieren. Wurde es doch vor Kurzem um eine bedeutende bzw. neuartige Facette erweitert. Wie schon im September vor Ort präsentiert, testen wir heuer im Rahmen dieses Projekts auf zwei Teststrecken neue Wildwarngeräte der Firma ANIMOT, die darauf abzielen nicht das Wild vor einer Straßenquerung zu warnen, sondern die Autofahrer vor der nahenden Gefahr. Die Sicherheit von Mensch und Tier im Straßenverkehr zu erhöhen hat oberste Priorität und so freut es mich als Verkehrs- und Tierschutzreferent des Landes dieses Projekt mit wissenschaftlicher Begleitung so in der Steiermark etabliert zu wissen. Ein Dank an alle Beteiligten für diese großartige und erfolgreiche Zusammenarbeit!"

HRin Dr.in Barbara Fiala-Köck, Tierschutzombudsfrau:

„Tierschutz ist unteilbar und gilt nicht nur für Heim- und Nutztiere, sondern auch für Wildtiere. Alle sieben Minuten ereignet sich auf Österreichs Straßen ein Wildunfall. Unfälle mit Wildtieren führen zu schweren Sach- und Personenschäden, zum Verlust von geschützten Wildarten und zu erheblichem unnötigen Tier- und Menschenleid. In vielen Fällen müssen verletzte Wildtiere erst durch Jagdausübungsberechtigte von ihren Qualen erlöst werden. Im Jahr 2018/2019 kamen insgesamt 75.476 Wildtiere durch eine Kollision mit einem Fahrzeug zu Schaden. 376 Menschen wurden 2019 verletzt, zwei Personen fanden den Tod. Das Projekt „Wildtierschutz und Verkehrssicherheit" wurde von der TSO initiiert. In enger Kooperation zwischen Land Steiermark, Steirischer Landesjägerschaft und Universität für Bodenkultur handelt es sich insbesondere aus Tierschutzsicht um ein Vorzeigeprojekt. Auf den entsprechend ausgerüsteten Strecken wurden durchschnittliche Rückgänge der Unfälle mit Rehwild von 30 % bis zu 70 % im Vergleich zu den Vorjahren verzeichnet. Praxistaugliche Lösungen zur Reduktion der Wildunfallzahlen führen langfristig zu einer Erhöhung der Verkehrssicherheit für Mensch und Tier und zu einer Reduktion von unnötigem Tierleid und stellen eine Win-Win Situation für Mensch und Tier dar."

Franz Zenz, Leiter Fachabteilung STED

„Von Seiten des Straßenerhaltungsdienstes sind wir ständig bestrebt, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Auch die sehr erfolgreichen Maßnahmen im Bereich des Wildschutzes sind ein wesentlicher Beitrag, um Unfälle zu vermeiden und die steirischen Landesstraßen sicherer zu machen."

Franz Mayr-Melnhof-Saurau, Landesjägermeister

„Dieses Projekt zeigt, dass die Jägerinnen und Jäger immer dann, wenn es um Wildtiere und Lebensräume geht, wichtige Ansprechpartner sind: Die Jäger erheben verlässliche Daten, dadurch können in enger Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur die Hotspots herausgearbeitet und über die weitere Datenerfassung der Erfolg der eingesetzten Maßnahmen evaluiert werden. Zusätzlich leistet jedes Revier noch einen finanziellen Beitrag. Der Schutz der Wildlebensräume und der Wildtiere ist eine der ureigensten Aufgaben der Steirischen Jagd. Darum wird dieses Projekt zusätzlich über die Steirische Landesjägerschaft mitfinanziert. Mensch und Wildtier profitieren vom Know-How der Steirischen Jagd. Und wenn doch etwas passiert, ist es der Jäger mit seinem gut geschulten vierbeinigen Einsatzpartner, der helfen kann, unnötiges Tierleid zu verhindern und nach einem Unfall schwer verletzt geflüchtete Wildtiere von ihrem Leiden zu erlösen. Steiermark weit, kostenlos und rund um die Uhr sind über 900 HundeführerInnen für den Ernstfall bereit. Mein ganz persönlicher Dank gilt neben unseren Projektpartnern all unseren Mitgliedern, die sich hier engagieren! Besonders freut mich auch, dass über unsere Initiative als erstes Bundesland Österreichs die Steiermark die innovativen Wildwarner der Firma Animot zum Einsatz bringt - die Steiermark war immer schon ein guter Boden für Innovationen!"

Wolfgang Steiner, Projektleiter, BOKU Wien

„Der nun abgeschlossene sechste Durchgang des Projektes `Wildtierschutz und Verkehrssicherheit Steiermark´ war - im Zeichen der Corona-Pandemie - ein besonders herausforderndes Projektjahr. Einerseits zeigten sich in den sieben Wochen Lockdown und dem damit einher gehenden massiven Rückgang des Gesamtverkehrs und einem gleichzeitigen Anstieg der Anzahl der Erholungssuchenden in der Natur völlig neue Wildunfallmuster, andererseits mussten für die Durchführung des Projektes und die Zusammenarbeit mit Jägern und Straßendienst neue, digitale Wege beschritten werden um die Projektinhalte im Wildunfallschutz umsetzen zu können und damit eine Erhöhung der Verkehrssicherheit und Verminderung von Tierleid entlang unserer Verkehrswege zu erreichen."

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