Die steiermärkische Landesregierung
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Erster Brutnachweis des Habichtkauzes in der Steiermark

Überraschung und Freude in Deutschlandsberg:

Habichtskauz mit Beute © Laurenz Wagner
Habichtskauz mit Beute
© Laurenz Wagner
Ästling © Christian Müller
Ästling
© Christian Müller
Naturschutzlandesrätin Ursula Lackner freut sich über den Erfolg © Land Steiermark / Purgstaller
Naturschutzlandesrätin Ursula Lackner freut sich über den Erfolg
© Land Steiermark / Purgstaller
Die Projektbetreuerin Andrea Bund © Christian Müller
Die Projektbetreuerin Andrea Bund
© Christian Müller

Seit 2012 läuft das Programm zur Brutunterstützung des Habichtkauzes in der Steiermark - heuer war die Überraschung und die Freude groß. „Erstmals brütet ein Habichtskauz-Pärchen in einem eigens dafür montierten Nistkasten im Bezirk Deutschlandsberg", verkünden Naturschutzlandesrätin Ursula Lackner, Andrea Bund (Bezirksnaturschutzbeauftragte) und Richard Zink (Österreichische Vogelwarte, Vetmeduni) erfreut.

Noch vor etwas mehr als 100 Jahren war die größte Waldeule Mitteleuropas häufig in unseren Wäldern anzutreffen. In Mitteleuropa bewohnt der Habichtskauz offene Laubmischwälder mit Altbäumen für Baumhöhlen und hoher Kleinsäugerdichte. Seine Hauptnahrung stellen Wühl-, Wald-, Spitzmäuse und Bilche dar, auf die er in der Dämmerung und nachts als Ansitzjäger wartet. Während der Aufzucht und im Winter kann man diesen lautlosen Jäger auch gelegentlich tagsüber beobachten, wenn er durch die Wälder streicht.

Doch Abschüsse und gleichzeitige intensivere Nutzung unserer Wälder dezimierten den Bestand dramatisch, sodass die Eulenart in Österreich um die 1950er Jahre ausstarb. Ein im Jahr 2009 begonnenes Projekt im Wiener Wald und im Wildnisgebiet Dürrenstein mit speziellen Nistkästen sollte die Lücke zwischen den Populationen im Norden (Tschechien, Slowakei und Deutschland) sowie jene im Süden (Slowenien/Italien) überbrücken. Langfristig drohen die kleinen Populationen nämlich zu erlöschen, wenn nicht durch natürlichen Austausch einzelner Käuze regelmäßiger Genfluss sichergestellt werden kann. Da die Distanzen zwischen Tschechien bzw. Deutschland und Slowenien zu groß zur Überbrückung sind, wurde mit der Wiederansiedlung der Art entlang der Alpennordseite begonnen.

Als Ergänzung zum Projekt in Niederösterreich und Wien kamen im Jahr 2012 einige Nistkästen in der Steiermark hinzu, rund 30 davon im durchgehenden Waldgürtel an der steirisch-slowenischen Grenze zwischen Langegg und Soboth. Für die jährliche Kontrolle dieser Nistkästen ist die Biologin Andrea Bund (Baubezirksleitung Südweststeiermark, Naturschutz) verantwortlich.

„Die erste Nachschau in der Brutsaison 2013 war etwas ernüchternd. Kein einziger Nistkasten war besetzt", so Bund. In den Jahren darauf brüteten jedoch die ersten Waldkauz-Paare. Im Gegensatz zum Habichtskauz ist die etwas kleinere Waldeule weniger anspruchsvoll in der Wahl ihres Lebensraumes und damit häufiger anzutreffen. Bis zu 80% der Nistkästen waren in den folgenden Jahren mit erfolgreichen Waldkauz-Bruten zu dokumentieren.

Doch Geduld und Ausdauer machen sich bezahlt: Heuer waren das Staunen und die Freude groß, als die Naturschutzbeauftragte bei der jährlichen Kontrolle in dem Spiegel, der im Nistkasten montiert ist, in das langersehnte unverwechselbare Gesicht eines brütenden Habichtskauz-Weibchens blickte.

„Unser langjähriger Einsatz macht sich bezahlt - endlich können wir eine erfolgreiche Brut vermelden! Das ist scheint zwar auf den ersten Blick nur wie ein kleiner Fortschritt, es ist aber ein großer Erfolg für den Naturschutz", freut sich die zuständige Landesrätin Ursula Lackner. „Jahrzehntelang hat der Mensch sich an der Natur ‚bedient‘ - jetzt ist es Zeit, dass wir etwas zurückgeben. Dank dem Einsatz unseres engagierten Teams vor Ort ist uns das nun gelungen. Der Schutz und Ausbau unserer Artenvielfalt ist besonders wichtig, damit die Steiermark auch für unsere Kinder und Enkel lebenswert bleibt".

Auch an der Österreichischen Vogelwarte, einem Teil der Vetmeduni freut man sich über den Erfolg. „Die Südweststeiermark bietet dem seltenen Habichtskauz sehr gut geeigneten Lebensraum", sagt Richard Zink, wissenschaftlicher Leiter der Habichtskauz-Wiederansiedelung in Österreich. „Die gute Zusammenarbeit mit engagierten Jagdausübungsberechtigten stimmt zuversichtlich, dass der Habichtskauz zukünftig wieder Teil der typischen Wildtierfauna in den Jagdrevieren des steirischen Grenzlandes wird", so der Experte. Naturnaher Waldbau ist ein Garant für nachhaltige Sicherung eines intakten Ökosystems und der Habichtskauz ein hervorragender Indikator dafür.

Der Habichtskauz (Strix uralensis) wird bis zu 60 cm groß. Das Weibchen erreicht eine Flügelspannweite von bis zu 125 cm, die kleineren Männchen etwas weniger. Typisch sind das kontrastreich längsgestreifte Gefieder, die schwarzen Augen, der gelbe Schnabel und der helle Gesichtsschleier.

Die Paare leben Zeit ihres Lebens (bis zu 20 Jahre) monogam. Sie bebrüten meist ab März für einen Monat zwei bis drei Eier, einen weiteren Monat bleiben die Küken im Nest („Nestlinge"). Die Bruten erfolgen jährlich, fallen aber aus, wenn das Nahrungsangebot zu gering ist. Die Jungvögel verlassen das Nest noch vor der Flugfähigkeit („Ästlinge") und werden in dieser Zeit vehement von der Mutter gegenüber Füchsen, Wildschweinen und Greifvögeln verteidigt. Außerhalb des Nests dauert das Familienleben noch gut zwei Monate, ehe die Jungvögel losziehen, um ihr eigenes, ca. 300 bis 500 Fußballfelder umfassendes Revier zu besetzen.

Mittlerweile konnte die Biologin gemeinsam mit dem Jagd- und dem Forstverantwortlichen die beiden Jungvögel beobachten. Der Standort wird nicht verraten, um eine Störung der Brut in diesem Jahr und in den nachfolgenden Saisonen zu vermeiden.

So bleibt zu hoffen, dass die beiden Jungvögel bei der Suche nach eigenen Revieren erfolgreich sind und die Altvögel bleiben, um auch nächstes Jahr wieder in der Südweststeiermark zu brüten.

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