Steirischer Weinbau: Rebzikade wird mit Kameras, Drohnen und KI bekämpft
Neues Bund-Länder-Projekt soll Goldgelbe Vergilbung frühzeitig erkennen, die Amerikanische Rebzikade eindämmen und den heimischen Weinbau schützen
Graz (23. Oktober 2026).- Die Rebkrankheit Goldgelbe Vergilbung breitet sich zunehmend in europäischen Weinbaugebieten aus und stellt auch den steirischen Weinbau vor große Herausforderungen. Besonders betroffen sind unsere slowenischen Nachbarn, was auch in der Steiermark und im Burgenland zu einem besonders hohen Risiko führt. Um die Ausbreitung der gefährlichen Quarantänekrankheit einzudämmen, setzt die Steiermark jetzt gemeinsam mit dem Bund und weiteren Bundesländern auf innovative Technologien: Im Rahmen eines neuen Forschungsprojekts sollen KI-gestützte Erkennungssysteme entwickelt und erprobt werden, die einen frühzeitigen Nachweis der Krankheit und ihres Überträgers, der Amerikanischen Rebzikade, ermöglichen.
„Unsere Weinbäuerinnen und Weinbauern leisten einen wichtigen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung, zum Tourismus und zur Identität der Steiermark. Wenn eine gefährliche Rebkrankheit unsere Weingärten bedroht, müssen wir rasch und gezielt handeln. Wir haben daher im vergangenen Jahr ein rigoroses Kontrollsystem, eine gezielte Beratung und in letzter Konsequenz empflindliche Strafen auf den Weg gebracht, um die notwendige Früherkennung und Prävention zu stärken. Moderne Technologien wie künstliche Intelligenz und Drohnen können uns künftig zusätzlich dabei helfen, befallene Reben rechtzeitig zu erkennen und die weitere Ausbreitung einzudämmen. Damit schützen wir unsere Kulturlandschaft und sichern die Zukunft des steirischen Weinbaus“, sagt Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer.
KI und Drohnen für eine gezielte Überwachung
Die Goldgelbe Vergilbung befällt die Reben und kann die Erträge und die Weinqualität erheblich beeinträchtigen. Die Amerikanische Rebzikade fungiert als Hauptüberträger. Da die Krankheit selbst nur eingeschränkt bekämpfbar ist, kommt der frühzeitigen Erkennung infizierter Reben und der Kontrolle des Überträgers besondere Bedeutung zu. Mithilfe von Drohnen sollen Luftbilder aus steirischen Risikogebieten aufgenommen und unterschiedliche KI-gestützte Auswertesysteme hinsichtlich ihrer Genauigkeit und Praxistauglichkeit verglichen werden. Auf dieser Grundlage soll ermittelt werden, welche Verfahren sich für eine effiziente Überwachung der Weinbaugebiete am besten eignen. Zusätzlich ist der Aufbau eines österreichweiten Teams geschulter Drohnenpiloten vorgesehen.
Auch direkt im Weingarten soll die Technologie zum Einsatz kommen. Dafür wird ein Bildaufnahmesystem mit KI-gestützter Software entwickelt, das direkt auf den Traktoren, die im Weinanbaugebiet unterwegs sind, angebracht wird. Dieses soll Krankheitssymptome möglichst kostengünstig und in Echtzeit während regulärer Bewirtschaftungsfahrten erkennen. Ergänzend werden die österreichischen Weinbaugebiete anhand ihres Risikos modelliert. Daten zu Infektionsraten und zur genetischen Typisierung der Krankheitserreger sollen die Risikobewertung weiter verbessern. Darüber hinaus werden nachhaltige Strategien zur Bekämpfung der Amerikanischen Rebzikade entwickelt und in der Praxis getestet.
Gemeinsame Anstrengung zum Schutz des Weinbaus
Umgesetzt wird das Projekt von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) auf Antrag der Steiermark und in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft sowie den Bundesländern Niederösterreich, Burgenland und Wien.
Das Projekt läuft bis 30. Juni 2029. Der gesamte Finanzierungsbedarf beträgt 578.633,01 Euro. Auf die Steiermark entfallen davon 65.840 Euro.
„Mit einer frühzeitigen Erkennung, einer gezielten Überwachung und wirksamen Maßnahmen gegen die Amerikanische Rebzikade erzielen wir die größte Wirkung. Die Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Fachinstitutionen ermöglicht es uns, wissenschaftliche Erkenntnisse rasch in die Praxis zu bringen. Unser Ziel ist klar: Wir wollen die Ausbreitung der Krankheit bestmöglich eindämmen und unsere Weinbaubetriebe nachhaltig schützen, die ohnehin schon durch die Folgen des Klimawandels zu kämpfen haben“, sagt Schmiedtbauer.
Graz, am 23. Oktober 2026
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