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Forschungspreise des Landes Steiermark verliehen!

Wissenschafts- und Forschungslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl mit der Preisträgerin und den Preisträgern der Forschungspreise 2019 v.l.: Thomas Antonic, Michaela Tanja Haindl, Dieter Schmalstieg. © Fischer
Wissenschafts- und Forschungslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl mit der Preisträgerin und den Preisträgern der Forschungspreise 2019 v.l.: Thomas Antonic, Michaela Tanja Haindl, Dieter Schmalstieg.
© Fischer

Graz, 29. November 2019 - Wissenschafts- und Forschungslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl verlieh heute im Weißen Saal der Grazer Burg die Forschungspreise des Landes Steiermark für das Jahr 2019. Der Erzherzog-Johann-Forschungspreis, der Forschungspreis und der Förderungspreis für Wissenschaft und Forschung sind mit je 12.000 Euro dotiert und werden jedes Jahr für herausragende Leistungen im Bereich der Wissenschaft und Forschung vergeben.


„Die Leistungen der steirischen Forscherinnen und Forscher sorgen dafür, dass unser Bundesland international einen Ruf als herausragendes Forschungsland genießt. Aus diesem Grund ist es mir ein großes Anliegen, diese Leistungen entsprechend zu würdigen. Mit den Forschungspreisen wollen wir darüber hinaus die Bedeutung der Forschung für die Menschen in der Steiermark bewusst machen", so Landesrätin Eibinger-Miedl.

Der Erzherzog-Johann-Forschungspreis wurde an den Steirer Thomas Antonic vom Institut für Germanistik an der Universität Wien überreicht. Dieter Schmalstieg vom Institut für Maschinelles Sehen und Darstellen an der Technischen Universität Graz wurde mit dem Forschungspreis ausgezeichnet, den Förderungspreis erhielt Michaela Tanja Haindl von der Universitätsklinik für Neurologie an der Medizinischen Universität Graz. „Ich gratuliere der Preisträgerin und den beiden Preisträgern sehr herzlich. Sie sind mit ihren Arbeiten Vorbilder für junge Forscherinnen und Forscher", so Eibinger-Miedl.

 

Erzherzog-Johann-Forschungspreis 2019:

Thomas Antonic vom Institut für Germanistik an der Universität Wien für die Arbeit: „Wolfgang Bauer: Werk, Leben, Nachlass, Wirkung. (als Autor); Wolfgang Bauer: Der Rüssel. Szenische Texte aus dem Nachlass. (Herausgeber); Wolfgang Bauer: Der Geist von San Francisco. Verstreut publizierte und nachgelassene Texte. (Herausgeber)"

Der gebürtige Steirer Thomas Antonic hat sich über ein Jahrzehnt wissenschaftlich mit Werk, Leben, Nachlass und Wirkungsgeschichte des Grazer Schriftstellers Wolfgang Bauer (1941-2005) beschäftigt, dabei zwei wegweisende umfangreiche Monographien (Wolfgang Bauer. Werk, Leben, Nachlass, Wirkung, 2018; Mediographie Wolfgang Bauer 1961-2011, 2011) sowie zahlreiche Publikationen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht. Das erstgenannte Buch hat sich seit seiner Publikation vor einem Jahr bereits als Standardwerk zur Bauer-Forschung etabliert. Antonic ist außerdem der Herausgeber zweier Bände mit Texten aus dem Nachlass Wolfgang Bauers. Durch diese Veröffentlichungen, die international in zahlreichen Medien besprochen wurden, konnte das Werk des 2005 verstorbenen steirischen Autors, das außerhalb der Stadt Graz in Vergessenheit zu geraten drohte, wiederentdeckt werden. Durch Veröffentlichung der 630 Seiten umfassenden Biographie Wolfgang Bauer. Werk, Leben, Nachlass, Wirkung konnte insbesondere darauf aufmerksam gemacht werden, welch enorme Wirkung Bauer und sein Umfeld, d.h. die Literaturszene der Stadt Graz in den 1960er und -70er Jahren, auf den gesamten deutschsprachigen Raum und darüber hinaus ausübte, nicht nur in literarischer, sondern in gesamtgesellschaftlicher Hinsicht. Nicht umsonst titulierte Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek ihren Kollegen als „wichtigsten zeitgenössischen österreichischen Dramatiker". Der 2019 ebenso mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Peter Handke bezeichnete Bauer als „das einzige Genie unter uns allen".

 

Forschungspreis des Landes Steiermark 2019:

Dieter Schmalstieg vom Institut für Maschinelles Sehen und Darstellen an der Technischen Universität Graz für die Arbeit: „Shading Atlas Streaming"

Neben der Übertragung von Filmen über das Internet etabliert sich zunehmend auch das Streaming von Computerspielen. Der Anwender muss keine teure Hardware für Videospiele mehr anschaffen; die Rechenleistung wird einfach in der Cloud gemietet. Es ist naheliegend, diesen Ansatz auf Virtual Reality-Computerspiele auszuweiten. Jedoch erfordert die Darstellung auf Virtual Reality-Brillen eine bis zu 10x höhere Rechenleistung als konventionelle Videospiele, weil mehr Pixel und mehr Bilder pro Sekunde dargestellt werden müssen. Darüber hinaus muss die Darstellung nahezu verzögerungsfrei erfolgen, damit es nicht zum gefürchteten „Nachschwimmen" (Lagging) der Darstellung kommt. Traditionelle Videoübertragung stößt hier rasch an ihre Grenzen. Daher hat Prof. Dieter Schmalstieg mit seinem Team ein neues Verfahren namens Shading Atlas Streaming entwickelt, welches die Bildinformation in einer alternativen Form, basierend auf Objektkoordinaten anstelle von Bildschirmkoordinaten, erzeugt. Dieses Verfahren erlaubt es, mehrere aufeinanderfolgende Bilder aus einem einzigen übertragenen Datensatz zu erzeugen und dadurch die nötige Übertragungsrate deutlich zu senken. Somit wird es möglich, auch auf günstigen Virtual Reality-Brillen mit drahtloser Übertragung (in Zukunft mit 5G-Mobilfunknetzwerken) Computerspiele und andere Inhalte in hoher Qualität darzustellen.

 

Förderungspreis des Landes Steiermark 2019:

Michaela Tanja Haindl von der Universitätsklinik für Neurologie an der Medizinischen Universität Graz für die Arbeit: „Widespread cortical demyelination of both hemispheres can be induced by injection of pro-inflammatory cytokines via an implanted catheter in the cortex of MOG-immunized rats"

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine häufige neurologische Erkrankung im jungen Erwachsenenalter mit bleibender Beeinträchtigung. Die frühe Phase dieser Erkrankung ist davon geprägt, dass sich Krankheitsschübe und schubfreie Phasen mit teilweiser Regeneration abwechseln. Viele Patienten gleiten nach 15 - 20 Jahren dieser Krankheitsphase in die Spätphase der MS über, mit einer stetigen Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Im Moment gibt es noch keine Medikamente die diese Krankheitsphase aufhalten könnten oder spezifisch der Gehirnzerstörung entgegenwirken könnten. Dies liegt vor allem daran, dass es lang kein geeignetes Modell zur Erforschung der Krankheitsmechanismen dieser Phase gab. Das in dieser Arbeit vorgestellte Tiermodell schließt diese Lücke und repräsentiert eine verblüffende Ähnlichkeit der Gehirnschäden und zellulären Merkmale, wie man sie von MS Patienten der Spätphase kennt. Neben der so wichtigen Erforschung der Mechanismen bietet dieses Modell zusätzlich die Möglichkeit, potenzielle Medikamente auf deren Wirkung auszutesten. Damit ebnet dieses Modell den Weg zur Erforschung eines spezifischen Medikamentes, das die Gehirnschädigung in der späten Phase der MS aufhalten oder im besten Fall sogar den Eintritt in diese Phase verhindern kann.

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